30 Jahre HOG Saderlach Im Reigen der Zeit gleiten wir dahin, erfüllt von den Ereignissen des Alltags, ohne die rechte Muße zu finden. Nur selten gelingt es uns innezuhalten. Stille Momente der Besinnung werden zwar herbeigesehnt doch stets von neuem auf später verschoben. Dabei übersehen wir, dass im Jetzt schon der Keim des Später geborgen liegt. Ereignisse lassen sich nicht wiederholen, sie leben in unseren Erinnerungen weiter, auch wenn sie, erst aus der gelebten Ferne, ihren späten Glanz erhalten. Für die Saderlacher bietet das kommende 16. Heimattreffen in Königsbrunn bei Augsburg, zwei Tage vor unserer „Chilbi“ (Johannes der Täufer), die passende Gelegenheit auf drei Jahrzehnte erfüllter Tätigkeit stolz zurückzublicken. Zwar werden die Stunden des Wiedersehehens weniger still und nachdenklich verlaufen, denn auch hier drängt - wie bei jedem Treffen - die Zeit. Lediglich während der Hl. Messe, in der Stille der Kirche, werden sich nachdenkliche Augenblicke einstellen und wohl auch nostalgische Momente ergeben. Wir hatten keine Stunde Null, es war ein stetiger Aufbruch, getragen von der Hoffnung des Neuanfangs. Denn als am 23. April 1983 sich erstmals 180 Saderlacher in Heidelberg wiedersahen, war man entschlossen die Heimat im Bewusstsein zu bewahren. Der Großteil der Deutschen lebte noch in der Heimat, doch der Wille zum Verlassen der angestammten Höfe, lag jedoch wie ein böser Fluch auf diesem gesegneten Landstrich. So war die Gründung der Heimatortsgemeinschaft eher ein verzweifelter Hilferuf, eine Notgemeinschaft die ein Zeichen gegen das Vergessen setzen wollte. So stand zunächst die Hilfe für die in Saderlach verbliebenen Landsleute im Vordergrund, Hilfen nicht zuletzt auch für Kirche und Schule. Sodann war Rat und Hilfe für die stetig ankommenden Nachzügler nötig, denen die angelaufenen Freikaufaktionen erstmals neue Wege zum freien Westen eröffneten. So konnte man auf die Erfahrungen der Kriegsgeneration zurückgreifen, denn diese lebten längst in gefestigten Lebensumständen. Alt und Jung wuchsen wieder zusammen, auch wenn man sich gar nicht kannte. So war es nur allzu verständlich, dass Josef Eisele (196), dem jahrelangen Wahrer aller Saderlacher Belange, zum ersten Vorsitzenden der HOG Saderlach gewählt wurde. Um ihn herum, sammelte sich alsbald eine Schaar von Unterstützern denen es gemeinsam gelang das Erinnern an die alte Heimat wachzuhalten. Die Hinwendung zum Schwarzwald lag nahe, denn die Gründer Saderlachs waren überwiegend Alemannen aus den Höhen des Hotzenwaldes. Den Auftakt machte das großen Trachtenfest in Schluchsee, zu Pfingsten 1987, an dem über 400 Alt-Saderlacher und - Dank einer glänzenden organisatorischen Leistung von Dipl. Ing. Werner Weiss (Achern) - unzählige Heimatgruppen aus dem gesamten Schwarzwald, und dem schweitzer Aargau teilnahmen. Zur 250-Jahrfeier Saderlachs erschien auch eine umfangreiche Festschrift, die erste Nachkriegsmonographie Saderlachs (Burger). Die HOG wuchs von Jahr zu Jahr, die Organisation war gefestigt und wir bewegten uns nunmehr ins Herz der Urheimat. 991 fand nach längeren Vorbereitungen das erste Heimattreffen in Görwihl statt. Nur vier Jahre später, am 4. Mai 1995 übergab die HOG das Saderlacher Mahnmal der Gemeinde Görwihl in Obhut. Alt- Bürgermeister Harald Scheuble verpflichtete sich im Namen des Landkreises Waldshut zur Betreuung unseres historischen Vermächtnisses. Die enge Bindung zur Bevölkerung erreichten wir durch die sprachliche Nähe, die besondere Akzeptanz im Kreis Waldshut durch die enge Bindung an Basen und Vettern bei denen wir – verstreut über die Höfe des Hotzenwaldes - damals wohnten. Es war eine logistische Meisterleistung von Dipl. Ing Jakob Ferch (Singen) dem es in mühevoller Feinabstimmung gelang, die einzelnen Familien bei Namensvettern einzuquartieren. Nunmehr steht das Saderlacher Mahnmal schon 18 Jahre, eine beinahe 2m hohe Granitstele aus drei übereinander geschichteten Kuben. Zuunterst der Gründungswürfel mit den Namen aller Sippenväter Saderlachs. Ein Denkmal an der Eingangspforte zum Schwarzwald, im sonnigen Görwihl, mit Blick auf das einstige vorderösterreichische Rheintaal. Die geistige und zwischenmenschliche Nähe die damit zwischen uns und den jungen Schwarzwäldern entstand, ist ein wertvoller Schatz den wir weiterhin hegen und pflegen werden. Es war die Erfüllung eines historischen Vermächtnisses zu dem wir uns, angesichts des vorhersehbaren Untergangs Saderlachs, verpflichtet hatten. Die dabei entstandenen Kosten haben alle gemeinsam getragen, auch wenn so manche Landsleute erst wenige Jahre im Westen lebten und mühsam um ihre Existenzsicherung rangen. Man verlässt nicht ohne Not seine angestammte Heimat und wird Jahre brauchen um die geschlagenen Wunden zu heilen. Es war ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, das uns stark machte, zu einer ungebrochenen Schicksalsgemeinschaft zusammen schweißte. und uns damals die nötige Geborgenheit verlieh. Ein viertel Jahrhundert stehe ich nun vorne als Sprecher der HOG, es war nicht immer leicht alle Strömungen zusammenzuführen: den stürmischen Drang der Jungen mit den bedächtigen Erfahrungen der Älteren zu verbinden. Doch die Schwarzwälder sind zäh und tatkräftig, lassen sich keinesfalls verbiegen. Wir haben stets aufrecht machbare Ziele verfolgt ohne auf Worthülsen zu vertrauen. Die Führung der HOG kann mit Recht stolz und großer Genugtuung auf das Geleistete zurückblicken. Mit zunehmender Distanz zum Geschehen wurden wir stiller, geruhsamer und auch unverbindlicher. Ja, ich habe es einmal die schleichende Erosion der Gefühle genannt, und dieser Prozess wird unaufhaltsam so weiter gehen. Auch die handelnden Personen kommen und gehen, doch die HOG Saderlach wird noch lange weiterleben. Franz Eisele (203) betreut seit Jahren unsere Internet Seite, bringt stets aktuellste Nachrichten der HOG auf die alle zugreifen können. Franz Kreidl (165) hat die Statistik und die Heimatnachrichten in der Banater Post von Hans Weiszenberger ohne Zögern übernommen. Es finden sich immer wieder jüngere, freiwillige Mitarbeiter auch wenn die Mitgliederzahl der Stützpunkte zahlenmäßig schrumpfen. Der wechselnde Vorstand aus cca 20 Personen beteiligt sich äußerst kooperativ an allen Entscheidungen der HOG. Mit großem Einsatz haben wir uns für die Instandsetzung unserer Heimatkirche und des Pfarrhauses engagiert. Dipl. Ing Franz Weiss war unermüdlich im Einsatz um neue Geldquellen aufzutun. Die Turmsanierung ist inzwischen abgeschlossen, Sorgen bereiten lediglich das große Dach. Nur die Pflege des Friedhofs wird immer fragwürdiger, denn die Spendenbereitschaft geht spürbar zurück. Jahrzehntelang hatte sich der vor kurzem verstorbene Feuerwehrkommandant Andreas Eisele (Mannheim), vor Ort darum gekümmert. Das Abschiednehmen erfolgt auch aus der Ferne in Raten, dreißig Jahre verwischen so manche Gräber und Spuren. Die Hilfe zur Selbsthilfe muss auch angenommen werden, der gute Wille allein hilft da nicht weiter. Die Formen der Begegnungen werden sich mehr und mehr auf lokale Kreis- und Ortsebenen der Landsmannschaft verlagern. Und auch da sind wir stark vertreten, man denke nur an Augsburg, Frankenthal und Mannheim oder Singen. Franz Winterhalter (Tuttlingen) steht für die Kontakte zum Schwarzwald, organisiert seit 1995 die Treffen und die - alljährlich am ersten Wochenend im September stattfindenden - Begegnungen am Denkmal in Görwihl. Bei allen landsmannschaftlichen Tätigkeiten trifft man auf aktive Saderlacher. Man trifft sich zum Fußball oder zum Kegeln, zu Fasching oder Kirchweih. Klassentreffen und Jahrgangs Treffen werden die sporadischen Heimattreffen verdrängen, sobald sich der hohe Organisationsaufwand nicht mehr rechtfertigen lässt. Zu letzten großen Familien - Treffen entwickelten sich die Beerdigungen. Obzwar diese mehr und mehr den örtlichen Gegebenheiten unterworfen werden und den heimatlichen Charakter verlieren, bleiben die anschließenden Gedenkrunden eine zuverlässige, letzte Nachrichtenbörse. Auch wir sind Teil des Werdens und Vergehens : die Welt um uns hat sich verändert und mit ihr auch wir. Bei der Gründung der HOG waren es knapp zweihundert Altsaderlacher. Zur besten Zeit – beim Eintritt in den Schwarzwald - waren wir 500, beinahe vollzählig in Tracht! Beim letzten Treffen erreichten wir gerade mal wieder die Gründungszahl. Manche möchten und können nicht mehr die weiten Anfahrten auf sich nehmen. Andere wieder könnten es, haben sich aber von der Gruppe abgesetzt, leben ihr eigenes Leben fern der Gemeinschaft. Man hat die gebotenen Vorteile angenommen, sieht sich aber weiter nicht mehr der Gruppe verpflichtet, verdrängt die Vergangenheit, um in der Gegenwart zu leben. Doch Weiterleben wird zumindest die Erinnerung an Saderlach, an das einstige Alemannendorf im fernen Banat. Dafür hat die HOG unermüdlich gesorgt. Nicht zuletzt mit dem im letzten Jahr erschienenen Sippenbuch. Nach zwanzigjähriger, akribischer Arbeit ist das Verzeichnis aller ehemaliger (Deutscher - bzw. röm. katholischer) Einwohner Saderlachs greifbar geworden. Ein umfangreiches Datenkompendium für alle Familien, für die Ahnenforschung und für soziologischen Analysen. Kaum erschienen, ist das Buch auch schon wieder Geschichte, denn die Auflage war alsbald vergriffen. Aber man kann auf die Bestände in den öffentlichen Bibliotheken zugreifen, somit bleibt das Werk für immer zugänglich. Dies sind die Brücken die wir für die Zukunft bauen, das geschriebene Wort bleibt lange bestehen. Auch wenn die Vereinzelung zunimmt, selbst familiären Bindungen zunehmend erlahmen, eine gewisse Sehnsucht nach tradierten Formen ist immer noch spürbar. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man feststellen, dass unsere Freundschaften die Jahre gut überstehen. Manche haben sich entfernt, um Jahre später wieder aufzutauchen. Doch dazu muss es Chancen zum Wiedersehen geben, für diese Chancen muss die junge, fortlebende Generation sorgen. Und das Organisationskomitee um Josef Schmalz hat es wieder möglich gemacht. Zum achten mal im Raum Augsburg, findet unser 16. Treffen am 22. Juni 2013 in Königsbrunn statt. (Gaststätte „Zum Trachtenheim“, Donauwörther Str. 46, 86343 K.; Saal Öffnung ab 14 h.; 16 h. Gottesdienst und Totenehrung). Es ist abermals eine Chance zur Einkehr und Besinnung auf längst vergangene Tage. Auch eine Chance die hier im deutschen Mutterlande entwickelten Traditionen zu wahren und fortzusetzen. Der Rückblick auf unsere ehemalige Ortsgemeinde und die dortigen Entwicklungen kann erfreuliche Überraschungen bringen. Wo kann man mehr Neuigkeiten erfahren als beim Treffen. Denn gierig nach Neuem sollten wir stets bleiben, bis ins hohe Alter. Auf ein freudiges Wiedersehn im Kreise der Freunde und Nachbarn aus nah und fern, bei guter Gesundheit und in bester Laune. Auf geht`s zur „Chilbi 2013“! Hans Burger, 2008
Gruppenbild vor dem Schloss in Heidelberg der anwesenden Saderlacher
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