Geschichte des Kirchenchors von Saderlach von Franz Eisele 203 Als unsere Vorfahren im Jahre 1737 das Dorf Saderlach gründeten, brachten sie auch die Kirchlichen Lieder aus der alten Heimat mit. Zur Kirche ging man am Anfang nach Neu-Arad. Bis zum Jahre 1778 fand die Heilige Messe in einem Zimmer, in dem nur die Hälfte der Bevölkerung Platz fand, statt. Im Jahre 1778 wurde der Bau der ersten kleinen Kirche vollendet. 1788 wurde auch eine kleine Orgel installiert. Vermutlich wurde auch ein Kirchenchor gegründet. Leider sind uns aus dieser Zeit fast keine Informationen erhalten. Mit den Jahren wurde die Kirche zu klein und auch baufällig, deshalb wurde im Jahre 1871 eine neue, größere und schönere Kirche erbaut. Dazu kam auch eine Orgel vom Orgelbauer Anton Dangl aus Arad. Vor dem Spieltisch, der leicht erhöht ist, befinden sich auf der linken und rechten Seite die Sitzbänke für die Sänger. Linke Seite: 3 Sitzbänke für die Stimmen Sopran und Alt Rechte Seite: 3 Sitzbänke für die Stimmen Tenor und Bass Gewöhnlich übte ein Lehrer das Amt des Kantors in der Kirche aus. Das älteste Bild vom Kirchenchor ist vom Jahre 1937 mit fast 30 Sängern. 1937: Kantor war Lehrer Andreas Eisele. Der Chor war ein reiner Männerchor. Kirchenchor im Jahre 1951 Vorne: Magdalena Weiß (245), Luisa Backin (245), Gerhard Weiß (245), Pfarrer Andreas Pinter, Maria Eisele (27) , Johann Winter (345), Franz Angele (309), Mathias Eisele (7). Mitte: Lehrer Johann Eisele (58), Maria Welti (255), Andreas Albert (227), Lehrer Andreas Eisele (27), Andreas Mesch (37), Mathias Hemmen (231), Josef Eisele (415), Franz Eisele (91). Hinten: Franz Weiß (93) Andreas Welti (209), Franz Lidolt (32), Johann Eisele ( 196), Johann Rieß (207), Josef Pinkhardt (67), Josef Müller (15), Mathias Weiß (214), Mathis (35 ?) Frau Luisa Bakin (*1886 - †1973) war von 1945 bis 1966 die Kantorin in Saderlach. Unter ihrer Leitung bestand der Kirchenchor viele Jahre. Aloisia (Luiza) Backin (*1886 - †1973) Auszug aus dem roten Buch Saderlach, von Hans Burger: ….. Im Jahre 1945, als Kantor-Lehrer Andreas Eisele nach Rußland verschleppt wurde, hat Luisaneni die Kantorstelle übernommen. Sie konnte gut Klavierspielen, hatte eine schöne Stimme, so ist ihr das nicht schwer gefallen. Großes Leid blieb auch ihr nicht erspart, denn ihr einziger Sohn wurde nach Rußland verschleppt und ist dort im selben Jahr den Hungertod gestorben. Im Beruf hat sie, mit der Gnade Gottes, diesen schweren Schlag überwunden. Sie scheute auch keine Mühen und Auslagen, um von den Klosterschwestern aus Temesvar immer wieder neue Lieder zu besorgen und diese zur Ehre Gottes zu singen. Pfarrer Andreas Pinter war stets ein dankbarer Zuhörer und lobte sie oft. Besonders glücklich war sie, als nach einer Firmung der Bischof wünschte, man solle ihm das junge Mädchen vorstellen, das so schön gesungen habe. Dabei war sie damals schon 73 Jahre alt. In diesen Jahren hat sie noch eine andere Begabung entdeckt. Sie schrieb mit großer Begeisterung Gedichte und versorgte die Kinder des ganzen Dorfes mit Gedichten für Neujahr, Hochzeiten u.a. Sie kannte ja alle Bewohner und so bekam jede Familie das den Verhältnissen angepasste, entsprechende Gedicht. Viele „Gete“ (Paten), die bei den Hochzeiten den ersten Glückwunsch sagten, wandten sich voller Vertrauen an Luisaneni und bekamen ihren Glückwunsch. Leider hatte sie sich immer nur kurze Notizen gemacht und das Original den betreffenden Leuten gegeben, so dass nur wenige Kopien vorhanden sind. Luisaneni war schon fast 80 Jahre alt, als sie ihr Amt als Kantorin und Dichterin, von schwerer Krankheit gebrochen (Parkinson), aufgeben musste. Die Gemeinde Saderlach verdankt ihrem stillen, ruhigen Wesen viel. Jahrzehntelang leitete sie unermüdlich unseren Kirchenchor, war eine der letzten Klammern unseres Gemeinschaftslebens. Offen für alle, die ihr Leid teilen wollten, hat sie niemals eine Bitte abgeschlagen. Sie war vor allem eine gute Seele, einer jener Menschen, die einem unvergesslich bleiben, ob ihrer steten Bereitschaft, für andere da sein zu wollen. Nach dem sie den Kantorposten krankheitsbedingt (in etwa 1966) aufgeben musste, hatte die Kirche keinen Kantor. Man suchte einen Nachfolger. Kirchenchor 1968 Untere Reihe: Mathias Paskolovits(18a), Franz Weiss(93a), Andreas Welti(209), Maria Batzer(385), Franz Lidolt(31), Mathias Weiss(214) Obere Reihe: Franz Batzer(385), Georg Angele (2), Franz Eisele(207), Josef Winterhalter(250), Franz Angele(309), Josef Eisele(223), Josef Pinkhardt(67), Johann Fohr(293), Mathias Hemmen(375) Frau Maria Batzer, geb. Zeng (*1941 - †2001) konnte gut Akkordeon spielen und singen und wurde überredet das Amt als Kantorin zu übernehmen. Nach einer kurzen Lehre in Arad und mit Übungen daheim an einer Tretorgel (Harmonium) übernahm sie 1966 als Kantorin auch die Chorleitung. Sie spielte die Orgel bis zu ihrer Ausreise 1982 in die Bundesrepublik, nach Augsburg. Bei 5 Heimattreffen in Augsburg und Görwihl spielte sie die Orgel zur Heiligen Messe. Nach ihrer Ausreise übernahm Josef Müller (Nr. 15) das Amt des Organisten. Kantorin war Theresia Zipfl (204), sie machte das Programm und sagte die Lieder an. Auch die Schwestern (Nonnen) Maria und Theresia Eisele (219) begleiteten den Chor. (sie hatten in der Notre-Dame-Schule in Temeswar unterrichtet). Es waren immer zwischen 15 bis 20 Sänger im Chor. Josef Müller spielte an Ostern 1990 zum letzten Mal die Orgel, am Tag, an dem er auswanderte. Untere Reihe: Josef Morath(24), Franz Schmalz(218), Franz Eisele(207), Johann Lidolt(80), Mathias Brucker(246), Franz Huth(358) Mittlere Reihe: Johann Denk(437), Josef Lidolt(279a), Josef Eisele(7), Andreas Mesch(37), Josef Buchter(418), Obere Reihe: Anton Huth(97), Erwin Brucker(246), Josef Mergl(411), Josef Müller(15), Josef Morath jun.(24) Nach 1990, als fast alle deutschen Bewohner Saderlach verlassen hatten, gab es keinen Kirchenchor mehr. Die Orgel wurde nicht mehr benutzt und ist heute in einem sehr schlechten Zustand. Bei unseren Treffen in Augsburg und Görwihl begleitet Josef Müller auf der Orgel den Saderlacher Chor während der Heiligen Messe. Er ist jetzt Organist in Raststatt. Kirchenchor beim Heimattreffen in Augsburg Beteiligung des Kirchenchors: * - Am Sonntag im Hochamt * - An Feiertagen, z.B. an Ostern, wurde die Matthäus-Passion mehrstimmig gesungen * - An Fronleichnamsprozessionen zu den Altären (ab 1959 von den Kommunisten verboten) * - Bei Beerdigungen von Chormitgliedern oder auf Wunsch * - Neujahrssingen bei Pfarrer, Kantor und Präses der Kirchengemeinde --- vielen Dank an Josef Müller--- Bilder aus dem Archiv der HOG Saderlach, Gerlinde Lidolt, Richard Welti und Franz Eisele 203
Orgelempore über dem Kircheneingang
Baujahr 1871
Spieltisch der Orgel
Technische Details Orgel: siehe unteren Link von Dr. Franz Metz (Autor) EMS Musikverlag EDITION MUSIK SÜDOST http://www.edition-musik-suedost.de/html/saderlach.html
Januar 2023
Kirchenchor
Saderlacher Kirchenchor